Interview mit Carlota Pi von Holaluz

„Unternehmen sollten Werkzeuge sein, um die Welt zu verändern“, ist Carlota Pi überzeugt. Als Mitgründerin und CEO des Greentechs Holaluz mischt sie den spanischen Energiemarkt erfolgreich auf. Ihre Vision: die Energiewende voranzutreiben und die impactstärkste Green Energy Community in Europa zu schaffen. – "wir wollen den Zugang zu sauberer Energie demokratisieren“.
Frau Pi, Sie haben als frischgebackene Business-School-Absolventin das Startup Holaluz mitbegründet. Heute ist das Unternehmen ein Vorreiter der Energiewende in Spanien und ein Top-Player im Solarbereich. Was war die Inspiration dahinter?

Carlota Pi: Wir wollen mit Holaluz eine Welt gestalten, die zu 100 % von erneuerbaren Energien angetrieben wird, und die Wirtschaft dekarbonisieren. Denn das bisherige Energiesystem ist kollabiert und wir stecken inmitten der Klimakrise. Unsere Antwort darauf ist die Rooftop Revolution – eine Bewegung, die die Energiewende in Spanien vorantreibt. Mittlerweile haben wir Zugang zum Solarstrom von rund 12.500 Hausdächern von Kund:innen im ganzen Land. Diese vernetzen wir über unsere innovative Technologieplattform und die lokalen Stromnetze mit Haushalten in ihrer Umgebung ohne verfügbare Hausdächer.

Ihr Ansatz ermöglicht es Prosumern – Personen, die Energie verbrauchen und selbst produzieren –, am Energiemarkt teilzunehmen. Was bringt das?

Carlota Pi: Damit demokratisieren wir den Zugang zu grüner Energie. Für uns stehen die Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt. Wir wollen langfristige Beziehungen aufbauen und gemeinsam die impactstärkste Green Energy Community in Europa schaffen. Dazu wollen wir das volle Potenzial der Dächer ausnutzen und den Bedarf an grüner Energie durch die Skalierung von Strom- und Speicherlösungen decken. Überflüssige Solarenergie wird ins lokale Stromnetz eingespeist und an aktuell rund 325.000 Stromkund:innen ohne verfügbares Hausdach verteilt. Das ist nachhaltig und spart Kosten für die Stromübertragung, da wir die Leitungen mieten und längere Transportwege wegfallen.

Welche Vorteile haben die Nutzer:innen konkret?

Carlota Pi: Unsere Kund:innen haben Zugang zu grüner Energie und sparen Strom- und Netzkosten. Für ein optimales Energiemanagement bieten wir zusätzlich flexible Module zur Speicherung des Sonnenstroms – wie Batterien und Ladestationen für Elektroautos – an. Wir haben bereits mehr als 1.000 E-Ladegeräte installiert und jedes zehnte neue Solarsystem hat eine Hausbatterie. Für unsere Kund:innen macht sich der Umstieg auf ihrer Stromrechnung bezahlt: Drei Viertel sparen 70 % oder mehr, die Zufriedenheit liegt bei 9 von 10.

Carlota Pi ist Co-Founder und CEO bei Holaluz. Bild: Copyright Holaluz.

„Für uns stehen die Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt. Wir wollen langfristige Beziehungen aufbauen und gemeinsam die impactstärkste Green Energy Community in Europa schaffen.“

Carlota Pi
Co-Founder und CEO bei Holaluz
Bild: Copyright Holaluz

Welche Rolle spielen technologische Innovationen, um die Energiewende mit neuen Lösungen voranzutreiben?

Carlota Pi: Technologie spielt eine zentrale Rolle, um unseren Kund:innen eine einzigartige Energy Service Experience zu bieten. Mithilfe innovativer Technologien und künstlicher Intelligenz können wir aus Daten wertvolle Erkenntnisse gewinnen, unseren Kund:innen die beste Lösung für Einsparungen anbieten, zusätzliche Einnahmen generieren und unser Business effizienter machen. Im vergangenen Jahr haben wir einige wegweisende Projekte entwickelt. Beispiele sind unsere neue Kund:innen-App oder Holaluz Wireless – eine Lösung, mit der Eigentümer:innen Einsparungen zwischen verschiedenen Wohnungen ausgleichen können. Zudem haben wir die erste auf Cloudtechnologie basierende Dispatchingzentrale in Spanien eingeführt. Bei allen Entwicklungen stehen die Sicherheit und das Vertrauen unserer Kund:innen an erster Stelle. Daher haben wir uns kürzlich an einer Initiative zur Förderung von algorithmischer Transparenz beteiligt, um einen verantwortungsbewussten Einsatz von künstlicher Intelligenz sicherzustellen.

Wie ist der Solarenergiemarkt in Spanien aufgestellt? Was waren und sind die größten Herausforderungen?

Carlota Pi: Spanien liegt bei der Erzeugung von Solarstrom hinter anderen europäischen Ländern. Ein Grund sind Initiativen wie die umstrittene „Sonnensteuer“, die von 2015 bis 2018 in Kraft war. Holaluz war einer der Hauptakteure für deren Abschaffung und das erste Unternehmen, das eine Eigenverbrauchsanlage in Spanien installiert hat. Aktuell ist die Nachfrage nach Photovoltaik-Fachkräften sehr hoch und es gäbe genügend Professionals. Daher haben wir die Holaluz-Akademie ins Leben gerufen, um qualifizierte und wettbewerbsfähige Fachleute für den gesamten Sektor zu trainieren. Wir arbeiten mit anderen Energieunternehmen zusammen und sind Teil der Branchenorganisationen UNEF (der spanischen Photovoltaik-Union) und Solar Power. So können wir dazu beitragen, Regulierungen neu zu gestalten und die Energiewende voranzutreiben.

Sie verfolgen einen inklusiven und innovativen Ansatz für die Energiewende. Welchen Stellenwert haben Geschlechtergleichstellung und Work-Life-Balance bei Holaluz?

Carlota Pi: Bei Holaluz setzen wir uns für Gleichstellung und Vielfalt ein: 40 Prozent unserer über 700 Mitarbeiter:innen sind Frauen – auch in der Montage und im Verkauf. Wir haben von Beginn an Maßnahmen ergriffen, um gleiche Chancen auf allen Ebenen zu gewährleisten. In männlich dominierten Bereichen wie Technologie und Solarmontage treiben wir die Gleichstellung innerhalb dieser Teams voran. So haben wir im Rahmen der Holaluz-Akademie kürzlich die weltweit erste Schule für Solarmonteurinnen eröffnet. Als Partner der Women Empowerment Principles von UN Women engagieren wir uns für die Bewältigung sozialer Herausforderungen. Wir fördern die Work-Life-Balance unserer Mitarbeiter:innen mit vielfältigen Maßnahmen und sind als Baby Friendly Company zertifiziert. Diese Schwerpunkte liegen uns bei Holaluz am Herzen – damit bringen wir die Inklusion und Innovation nicht nur für die Energiewende voran, sondern in der ganzen Gesellschaft.

Auf welche Meilensteine sind Sie besonders stolz?

Carlota Pi: Mit unserem Impact-Geschäftsmodell konnten wir in den letzten Jahren eine positive Auswirkung auf die Menschen und den Planeten erzielen. Zuletzt erhielten wir im Juni 2023 die Ecovadis-Goldmedaille für unser Leadership bei Nachhaltigkeit. Im Jänner waren wir von Sustainalytics als das weltweit führende ESG-Unternehmen in der Kategorie der unabhängigen Stromerzeuger und -händler ausgezeichnet worden. Seit 2010 haben wir mehr als 2,3 Tonnen CO2 in der Atmosphäre vermieden. Darauf bin ich wirklich stolz!

Wie wird sich der Solarmarkt in Spanien aus Ihrer Sicht in den nächsten zehn Jahren entwickeln? Und welche Rolle wird Holaluz dabei spielen?

Carlota Pi: Aktuell boomt der Markt für Solarstromanlagen für Privathaushalte in Spanien. Dieser hat in den letzten vier Jahren eine exponentielle Wachstumskurve durchlaufen: Er ist jährlich um das 3,5- bis 4-Fache gewachsen. Hier sehen wir angesichts der Marktgröße von zehn Millionen Anlagen großes Potenzial für die kommenden Jahre. Holaluz ist dabei ein echter Gamechanger: Wir setzen uns voll und ganz für die Dekarbonisierung der globalen Wirtschaft ein. Wir wollen unseren Kund:innen bei der Dekarbonisierung helfen und den Zugang zu sauberer und lokaler Energie für alle ermöglichen. Damit gestalten wir eine grünere Zukunft und sind ein aktiver Teil der Energiewende – aus voller Überzeugung!

 

Zur Person

Carlota Pi ist seit über 15 Jahren im Energiebereich tätig. Im Jahr 2010 begründete sie zusammen mit Ferran Nogué und Oriol Vila das Energy-Transition-Unternehmen Holaluz in Barcelona. Zuvor sammelte sie Erfahrungen in Spanien, Deutschland sowie den USA.

In ihrer Videobotschaft berichtet sie über „Rooftop Revolution“ in Spanien und wie jeder einzelne Teil der Energiewende werden kann.